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Aus dem Leben der Bienen

Quelle des Textes: „Wunderwelt der Bienen”, herausgegeben vom D.I.B

Der erste Frühlingsausflug

Sonnenkinder sind die Bienen. Sie halten zwar keinen Winterschlaf, aber ihre Lebenstätigkeit während der kalten Jahreszeit ist sehr herabgemindert. Dicht zusammengedrängt zu einer Kugel, in der Mitte die Königin, erwärmen sie sich gegenseitig und überstehen so den Winter. Steigt das Thermometer an einem milden Februartag auf 10 Grad, so erwachen sie zu neuem Leben und halten den so genannten Reinigungsflug, wobei sie sich von den Rückständen des Winterfutters befreien.

Als erste Frühjahrsblüher spenden die Weidenkätzchen den besonders im Frühjahr für die Entwicklung des Bienenvolkes so wichtigen eiweißreichen Blütenstaub. Darum die Mahnung: Schont die Weidenkätzchen und plündert sie nicht! Den Blütenstaub nennt der Imker Pollen. Als dicke Pollenhöschen an den Hinterbeinen tragen ihn die Bienen in den Stock.

Bienen bestäuben Blüten

Mit zunehmender Wärme öffnen immer mehr Blüten ihre Kelche, und damit wird den Bienen der Tisch immer reicher gedeckt. Im Frühlingsmonat Mai stehen auch unsere Obstbäume im Blütenkleid da, geschmückt wie eine Braut am Hochzeitstag. Und sie feiern auch wirklich Hochzeit, denn die Bienen übertragen bei der Nektarsuche das männliche Element der Blüte, den Blütenstaub, zum weiblichen Blütenteil, der Narbe. Damit ist die Befruchtung eingeleitet, Samen und Früchte können entstehen. Im Gegensatz zu allen anderen Insekten sind die Bienen "blütenstet", d.h. sie bleiben immer bei der gleichen Blütenart. Daraus ergibt sich ihre große Bedeutung für die Befruchtung, denn niemals könnte beispielsweise Blütenstaub einer Apfelblüte eine Birnbaumblüte befruchten. Andere Insekten überstehen den Winter einzeln, die Honigbienen dagegen überwintern als Volk und sind deshalb schon zur Zeit der Frühjahrsblüte mit Tausenden von Bienen voll einsatzfähig.

Königin, Arbeiterin, Drohn

Drei verschiedene Bienenwesen leben im Stock: eine einzige Königin, Zehntausende von Arbeitsbienen und - während er Sommermonate - einige hundert Drohnen. Die Königin ist das einzige voll entwickelte Weibchen, legt Tausende von Eiern, ist also die Mutter des Volkes. Auch die Arbeitsbienen sind Weibchen. Sie verrichten sämtliche Arbeiten und werden im Durchschnitt nur 50 bis 60 Tage alt. Sie üben in ihrem kurzen Leben verschiedene Berufe aus: Zunächst sind sie Reinemachfrauen, putzen die Zellen und halten den Stock sauber, dann werden sie Ammenbienen und füttern die junge Brut. Als Wachsfabrikantinnen schwitzen sie das Wachs aus, und als Baubienen bauen sie kunstvolle Waben. Nach drei Wochen Innendienst übernehmen sie Polizeiaufgaben und bewachen das Flugloch. Schließlich schaffen sie als Flugbienen Wasser, Blütenstaub und Nektar herbei und verteidigen, falls nötig, den Stock. Die Drohnen, die Männchen im Bienenvolk, paaren sich mit den jungen Königinnen, eigentliche Dienste für das Volk leisten sie nicht.

Die Königin und ihr Hofstaat

Königin mit Hofstaat

Die Königin legt die Eier und sorgt damit für den Fortbestand und die Verjüngung des Volkes. Ihre Fruchtbarkeit ist unglaublich. Sie kann täglich bis zu 2000 Eier legen, das ist ein Mehrfaches ihres Körpergewichtes. Diese Leistung ist nur möglich durch eine besonders hochwertige Nahrung, „Königlicher Futtersaft” oder „Gelée Royale” genannt. Sie ist ständig von einem Hofstaat von Bienen umgeben, die sie hegen und pflegen und mit dem königlichen Futtersaft versorgen. Während eine Arbeitsbiene nur sechs bis acht Wochen alt wird, kann eine Königin fünf bis sechs Jahre alt werden. Nach dem dritten Jahr lässt allerdings ihre Leistungskraft nach.

Schlüpfende Brut

Nach 21 Tagen (beim Drohn nach 24 Tagen, bei der Königin bereits am 16. Tag) hat sich das Wunder von der Umwandlung vom Ei über die Larve und Puppe zur fertigen Biene vollzogen. Das Abnagen des Zelldeckels bedeutet für die Jungbiene ein schweres Stück Arbeit. Ist einmal die Öffnung in der Wachsdeckel gebissen, so streckt die Biene hungrig und erschöpft die Zunge heraus. Ammenbienen füttern sie, und mit neuer Kraft geht es weiter, bis der Zelldeckel rundum abgenagt ist. nun endlich kann die Biene schlüpfen. Im Gegensatz zu den älteren Bienen ist ihr Körper noch weich, ihr Haarkleid flaumig, hell, die Flügel glänzen fast silbrig. Sie ist eingetreten in ein Leben voller Arbeit, Abenteuer und Gefahren. Noch weiß sie nichts Rechtes anzufangen, sie reckt sich und streckt sich und putzt sich, aber bald beginnt ihre erste Lebensaufgabe: Zellenputzen für die Eier legende Königin.

Ein Bienenschwarm

Ein Bienenschwarm ist ein wundervolles Naturschauspiel. Dazu kommt es, wenn die Bienen Königinnenzellen errichten, die die Königin mit einem Ei bestiftet. Durch Fütterung mit königlichem Futtersaft werden die Larven zu vollentwickelten Weibchen, also zu Königinnen. Sind die Königinnenzellen gedeckelt, so fühlt sich die alte Königin von den heranreifenden Rivalinnen bedroht, und da im Volk nur eine Königin leben kann, zieht sie mit einem Teil der Bienen aus und bildet ein neues Volk. Ein Sausen und Brausen erfüllt die Luft. Tausende von Schwarmbienen sind unterwegs. Schließlich sammelt sich der Schwarm an einer passenden Stelle und bleibt dort so lange, bis die Spurbienen eine passende Wohnung gefunden haben. Meistens kommt jedoch vorher ein Imker und sichert sich den Schwarm als neues Volk. Wenn ein Bienenvolk einen Teil seiner Bienen für einen Schwarm abgibt, verliert es auch viele Sammelbienen, die Honigernte wird somit kleiner.

Bauende Bienen

Wabe aus Naturbau

Ein Schwarm zeichnet sich durch einen besonders großen Arbeitseifer aus. Das ist auch notwendig, denn er muss sich den gesamten Wabenbau neu errichten. Das Material hierfür erzeugen die Bienen selbst. Sie hängen sich zu einer so genannten Bautraube zusammen und schwitzen auf der Unterseite der Ringe des Hinterleibes kleine Wachsplättchen aus, die sie sich gegenseitig abnehmen und als wirkliche Baukünstler zu Waben formend. Wer könnte einen kunstvolleren Bau planen oder gestalten, als es die Bienen tun! DIe sechseckigen Zellen ermöglichen die bestmögliche Raumausnutzung, und eine fertige Wabe ist wirklich ein Gebilde von einmaliger Schönheit und Zweckmäßigkeit. Dabei muss die aus hauchdünnen und weichen Wachsplättchen gebaute Wabe auch noch stabil sein und die schweren Honigvorräte tragen.

Schlüpfende Königin

Etwa eine Woche nach Auszug des Schwarms werden die jungen Königinnen schlüpfreif. Auf gleiche Weise wie die Arbeitsbienen arbeitet sich auch die junge Königin aus ihrer Zelle und tritt die Herrschaft in ihrem Stock an. Aber in weiteren Königinnenzellen schlummern noch Rivalinnen. Die Königin fühlt die Gefahr und ist bestrebt, ihre Nebenbuhlerinnen mit dem Giftstachel, den sie nie gegen Menschen, sondern nur gegen ihresgleichen anwendet, zu töten. Wird sie daran nicht gehindert, sondern durch seitliches Aufbeißen der Zellen sogar unterstützt, so ist ihre Herrschaft im Stock gesichert. Hindert jedoch das Volk die Königin am Abstechen der Rivalinnen, so gibt es einen zweiten Schwarm, einen so genannten Nachschwarm, wobei die zuerst geschlüpfte Königin mit ihrem Anhang auszieht. Zwischen den weiteren Königinnen gibt es dann einen Kampf auf Leben und Tod, wobei in der Regel die kräftigste und flinkeste Königin siegt.